
Direkt zu den ungelösten Rätsel oder zu den gelösten Rätsel.
Wer sich mit Familienforschung beschäftigt, kommt früher oder später an einen Punkt, an dem die Quellen zwar vorhanden, aber schwer zu lesen sind.
Viele Kirchenbücher des 17., 18. und 19. Jahrhunderts wurden in Kurrentschrift geschrieben, später teilweise in Sütterlin. Für ungeübte Augen wirken diese Texte zunächst wie ein Gewirr aus Haken und Bögen. Selbst einzelne Buchstaben lassen sich kaum unterscheiden.
Die gute Nachricht:
Alte Schrift zu lesen ist kein Hexenwerk. Man kann es lernen – und zwar am besten an echten Beispielen.
Genau darum soll es in dieser – unregelmäßig erscheinenden – Artikelreihe gehen.
Zum Einstieg gleich ein kleines Beispiel.
Der Satz im Beitragsbild stammt von Wilhelm Busch aus seinem Buch „Fipps, der Affe“. Wie lautet er?
Die Auflösung finden Sie am Ende des Artikels.
Warum Kirchenbücher oft schwer zu lesen sind
Die Schwierigkeiten liegen meist nicht nur an der Schrift selbst. Mehrere Faktoren kommen zusammen:
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Kurrentschrift statt moderner Schreibschrift
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individuelle Handschrift des Pfarrers
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verblasste Tinte oder beschädigtes Papier
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ungewohnte Abkürzungen und Formulierungen
-
lateinische oder regionale Begriffe
Hinzu kommt: Viele Einträge wurden unter Zeitdruck geschrieben. Ein Pfarrer, der an einem Sonntag mehrere Taufen und Beerdigungen eintragen musste, hat selten besonders sorgfältig geschrieben.
Aber:
Beim Entziffern alter Kirchenbucheinträge geht es selten darum, jeden einzelnen Buchstaben zweifelsfrei zu bestimmen. Oft genügt es, das Wort im Zusammenhang zu erkennen.
Kurrent, Sütterlin und deutsche Schreibschrift
Wer alte Kirchenbucheinträge lesen möchte, begegnet meist drei verschiedenen Schriftformen:
Kurrentschrift
Die wichtigste Schrift für Genealogen. Sie wurde etwa vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert verwendet und findet sich in den meisten Kirchenbüchern.
Sütterlin
Eine vereinfachte Schulschrift, die ab etwa 1911 verbreitet wurde. Viele Menschen kennen sie heute aus Schulheften der Großeltern.
Lateinische Schreibschrift
Ab dem frühen 20. Jahrhundert setzte sich zunehmend die heute übliche Schrift durch.
In der Praxis findet man häufig Mischformen. Ein Pfarrer konnte etwa lateinische Buchstaben für Namen verwenden, während der restliche Text in Kurrent geschrieben ist.
Der wichtigste Grundsatz beim Entziffern
Der häufigste Anfängerfehler ist, Buchstabe für Buchstabe lesen zu wollen.
Erfahrene Familienforscher gehen anders vor:
- Den gesamten Eintrag betrachten
- bekannte Wörter erkennen (z. B. „den“, „Sohn“, „geboren“)
- Namen und Orte vergleichen (welche Namen & Orte kommen in der Region häufig vor)
- einzelne Buchstaben aus anderen Wörtern ableiten
Mit der Zeit entsteht ein persönliches „Alphabet“ des jeweiligen Schreibers. Danach wird vieles plötzlich deutlich einfacher.
Lernen durch Beispiele
Theorie hilft nur begrenzt. Wirklich lernen kann man alte Schrift nur durch praktisches Üben.
Deshalb wird es auf dieser Seite künftig eine Reihe kleiner Kirchenbuchrätsel geben.
Dabei zeige ich jeweils einen Ausschnitt aus einem Kirchenbuch und stelle eine konkrete Frage, zum Beispiel:
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Wie lautet der Familienname?
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Welcher Beruf ist eingetragen?
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Wie heißt der Herkunftsort?
Im ersten Moment wirken solche Einträge oft unlesbar – doch mit ein wenig Geduld lassen sie sich meist vollständig entschlüsseln.
Mitmachen ausdrücklich erwünscht
Die Rätsel haben verschiedene Schwierigkeitsgrade und richten sich sowohl an Einsteiger als auch an erfahrene Familienforscher.
Manchmal führt auch der Blick eines anderen Lesers zur Lösung.
Wer möchte, kann seine Deutung daher gern in die Kommentare schreiben.
Auch wenn nur der Anfangsbuchstabe oder ein Teil eines Wortes lesbar ist – einfach mitmachen.
Auflösung des Beitragbildes:
Die Sorge verwandelt sich in Entsetzen,
Denn da steht Fipps mit Krapfen und Brezen.
Online üben: Alte Schrift selbst transkribieren
Wer das Lesen alter Schriften üben möchte, findet im Internet inzwischen auch interaktive Angebote. Besonders hilfreich ist ein Trainingsprogramm der Universität Zürich.
Dort kann man historische Quellen Schritt für Schritt selbst transkribieren. Die Übungen reichen vom Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert. Wenn man bei einem Wort nicht weiterkommt, lassen sich Hinweise einblenden, die beim Entziffern helfen.
Das Programm ist frei zugänglich und eignet sich gut, um ein Gefühl für alte Handschriften zu entwickeln:
→ Deutsche Handschriften lesen und transkribieren
Wer regelmäßig mit Kirchenbüchern arbeitet, wird schnell merken: Mit jeder gelösten Übung wird der Blick für Buchstabenformen sicherer.
Rätsel ungelöst
(Hier bitte mitraten!)
- Kirchenbuchrätsel (1) – Wie heißt Hans? Taufe 1657 in Neuendorf
- Kirchenbuchrätsel (2) – Wie heißt der Ort? Heirat 1752 in Neuendorf
- Kirchenbuchrätsel (3) – Wie heißt der Bräutigam? Heirat 1706 in Neuendorf
- Kirchenbuchrätsel (4) – Wie heißt der Ort? Heirat 1810 in Aken
Rätsel gelöst
(mit Auflösung)
Quelle Beitragsbild: Thirunavukkarasye-Raveendran, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons