Vorhaben wurden fallengelassen – Unterlagen nach Ablauf der Geheimhaltungsfrist freigegeben

London/dpa. Eine Sondereinheit des britischen Geheimdienstes hat nach jetzt erstmals veröffentlichten Unterlagen des Staatsarchivs in London in den letzten Kriegsmonaten geplant, Adolf Hitler umzubringen. Dabei ging es um Überlegungen, den Nazi-Führer in Berchtesgaden von einem Heckenschützen töten zu lassen, sein Auto mit einer Panzerfaust anzugreifen, einen Sprengstoffanschlag auf seinen Zug zu verüben oder ihn über die Trinkwasserversorgung im Zug zu vergiften. Auch ein Luftangriff auf Hitlers Domizil bei Berchtesgaden und die Landung von Fallschirmjägern, die Hitler und seine Begleitung töten sollten, waren Teil der Pläne.

Keines der Vorhaben, die mit Wissen von Premierminister Winston Churchill ausgearbeitet worden waren, ist ausgeführt worden. Nach Ablauf der Geheimhaltungsfrist sind die Unterlagen jetzt freigegeben worden.

Die seinerzeit auch innerhalb des Geheimdienstes umstrittene Attentats-Planung der Exekutive für besondere Aufgaben (SOE) hatte im Juni 1944 begonnen. Damals erfuhren die Briten über einen französischen Oberst von einem bevorstehenden Aufenthalt Hitlers in einem französischen Schloß. Führende Kräfte des Geheimdienstes waren geteilter Meinung über den Nutzen eines Hitler-Attentats. Im Frühjahr 1945 habe man sich auf den britischen Militärattaché in Washington, Hauptmann E. H. Bennett, als Hitler-Attentäter geeinigt. Am 26. März 1945 aber wurden die Pläne fallengelassen.

Bereits Jahre zuvor hatte die Sonderabteilung versucht, über gefälschte Briefmarken Zwietracht in der Nazi-Führung zu säen. Dazu stellten die Briten 5 000 deutsche Sechs-Pfennig-Briefmarken her und gaben dem üblichen Hitler-Abbild die Gesichtszüge von SS-Führer Heinrich Himmler. Die Verbreitung der Marken über Briefe und Karten in Deutschland und im besetzten Ausland sollte Gerüchte von einem Machtkampf schüren.

Ein erster Test in Schweden schlug fehl, da niemand den Unterschied bemerkte, hieß es in einem Bericht des Staatsarchivs. In Spanien, Portugal und Marokko habe der Versuch Mitte 1943 mehr Wirkung erzielt. Schließlich habe sich die Naziführung zu einer Erklärung gezwungen gesehen, wonach solche Briefmarken wirklich produziert und irrtümlich verwendet worden seien.

Quelle:
Mitteldeutsche Zeitung vom 23.07.1998

Primärquelle:
Zeitungsausschnitt – vollständige Ansicht (Originalgröße)

Weiterführende Quelle:
Operation Foxley

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