Bereits im Oktober vergangenen Jahres war die Marien-Kirche in Aken bis auf den letzten Platz besetzt. Anlass war die Lesung von Werner Meyer-Deters aus seinem Buch „Von der Elbe zum Rhein“. Zwischen historischen Fahnen (siehe Beitrag zur Ausstellung) und vertrauten Gesichtern wurde an diesem Abend deutlich, dass die Geschichte der Binnenschifffahrt die Stadt noch immer bewegt.

Zwischen historischen Bildern und lebendiger Erinnerung: Werner Meyer-Deters bei seiner Lesung in Aken.
Werner Meyer-Deters ist der Binnenschifffahrt seit seiner Jugend verbunden. Bereits als 16-Jähriger begann er eine Ausbildung in diesem Berufsfeld. Seine enge Beziehung zur Schifferfamilie Jahn aus Aken prägt auch das vorliegende Buch: Immer wieder verbinden sich persönliche Erfahrungen mit historischen Entwicklungen der Binnenschifffahrt zwischen Elbe und Rhein.
Unter dem Titel „Über die Glanzzeit der Schifffahrt in Aken und darüber hinaus“ zeichnete Meyer-Deters die Entwicklung der Binnenschifffahrt von ihren regionalen Wurzeln bis in die Gegenwart nach – eine Entwicklung, die in Aken zeitweise prägend für Wirtschaft und Stadtbild war. Dabei stand nicht allein die technische Seite im Mittelpunkt – vom Wandel der Antriebssysteme bis zu veränderten Transportwegen –, sondern ebenso die Lebenswirklichkeit der Schifferfamilien. Deutlich wurde, dass die vermeintliche „Glanzzeit“ nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung bedeutete, sondern auch harte Arbeit, lange Abwesenheiten von der Familie und eine enge Bindung an den Fluss.

Antriebseinheit des Heckradschleppdampfer „Reiher“
Einen besonders eindringlichen Akzent setzte Meyer-Deters am Ende der Lesung mit einem Appell, der sich direkt auf Aken bezog. Mit Blick auf die hier erhaltene historische Antriebseinheit – das letzte Relikt einer einst bedeutenden Heckraddampferflotte – sagte er:
„… das letzte Relikt einer einst größten Heckraddampferflotte und ein echtes Unikat der Elbschifffahrtsgeschichte und Industriekultur – halten Sie dieses Objekt bitte in guter Obhut, es ist etwas ganz, ganz Besonderes.“
Der eindringliche Ton dieses Appells machte deutlich, dass es dem Autor nicht allein um Erinnerung, sondern auch um Verantwortung für das noch Vorhandene geht.
Dass das Thema die Zuhörer erreichte, zeigte sich nicht nur an der großen Beteiligung, sondern auch an der unerwartet hohen Spendenbereitschaft des Publikums. Der Nachmittag traf offenbar einen Nerv – zwischen regionaler Identität, historischer Erinnerung und gegenwärtiger Verantwortung.
Musikalisch wurde der Abend vom Männerchor Aken begleitet, der mit einem traditionellen Shanty aus dem Repertoire der Seefahrer- und Binnenschifffahrtslieder für eine maritime Atmosphäre sorgte. Ein kurzer Mitschnitt vermittelt einen Eindruck der Stimmung dieses Nachmittags.
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