Die 1815 gegründete preußische Provinz Sachsen, zu der Altmark und Jerichower Land als Heimat Otto von Bismarcks gehörten, bildete den Rahmen und einen wesentlichen Teil des Bedingungsgefüges für dessen Weg an die Spitze der preußischen und deutschen Politik.
Otto von Bismarck wurde am 1. April des Jahres 1815 in Schönhausen an der Elbe geboren und in der dortigen Kirche getauft. Abgesehen von der frühen Kindheit hat ihn zunächst nicht viel mit Schönhausen verbunden. Die Familie der Bismarcks und deren lange Geschichte ist mit dem Geschichts- und Kulturraum des Mittelelbegebietes eng verbunden. Die Bismarcks sind als Adelsgeschlecht der Region schon seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar. Otto von Bismarck kam erst in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts häufiger nach Schönhausen, dem Stammgut der Familie, um seinen alternden und kränkelnden Vater zu unterstützen. Am Jahresende 1845 mußte er sich hinsichtlich seiner künftigen Wirkungsstätte entscheiden, denn sein Vater war verstorben, und nun stand die Frage der Übernahme des Gutes in Schönhausen an.
Die Übersiedlung von Pommern nach Schönhausen wurde für den noch jungen Gutsherren besonders interessant, da er in der preußischen Provinz Sachsen Anschluß an einen exklusiven konservativen Kreis bekam, der ihm politisch nahe stand. Er hatte, gestützt auf diesen Kreis, auch Aussicht, hier Landrat zu werden. Dies aber scheiterte, da der Landadel des Jerichower Kreises einen ortsansässigen Kandidtan bevorzugte. Daraufhin wurde Bismarck das Amt eines Deichhauptmannes in Aussicht gestellt.
In der Provinz Sachsen bestand ein einflußreicher Kreis hochkonservativer Persönlichkeiten. Führender Kopf war der Magdeburger Oberlandesgerichtspräsident Ernst Ludwig von Gerlach, Mitglied des preußischen Staatsrates. Gerlach übte auf den noch jungen Bismarck eine erhebliche persönliche Faszination aus und schätzte ihn seinerseits. Der Gerlach-Kreis schöpfte sein elitäres preußisches Bewußtsein zum guten Teil aus der neupietistischen Erweckungsbewegung, einer religiösen Zeitströmung. Obwohl Bismarck ganz und gar keine religiöser Eiferer war, hatter er sich schon in Pommern dieser exklusiven Strömung genähert.
Konservatives Zentrum
Die kirchen Fragen hatten zu dieser Zeit höchste Bedeutung für die preußische Gesellschaft. Gerade in der Provinz Sachsen bestand ein Brennpunkt der kirchlichen Auseinandersetzungen. Zu Bismarcks Zeit war das Bewußtsein, die Heimat Martin Luthers und der Reformation zu sein, ein durchaus waches Verständnis und Allgemeingut des Denkens der gebildeten Schichten wie auch des Volksglaubens.
Die Universität Halle war einer der geistigen Zentren der damaligen religiösen Konflikte. Es bestand hier neben einer aufklärerisch-rationalistischen Strömung ein einflußreicher Kreis mit Friedrich August Tholuck an der Spitze, die der neupietischen-erweckungsbewegten Richtung wie dem Konservatismus einen wichtigen Teil seiner theoretischen Fundierung gaben.
In der Provinzialhauptstad Magdeburg gehörten der konservativen Sammlungsbewegung Vertreter der hohen und mittleren Beamtenschaft der sich hier ballenden Staatsbehörden an. Hier hatten Oberpräsident, Königliche Regierung, Konsistorium, Oberappellationsgericht und Generalkommando des IV. Armeekorps ihren Sitz. Außerdam war die Elbestadt stärkste Festung der Monarchie mit einer entsprechenden Festungskommandatur. Im Norden der Provinz, besonders in der Altmark und im Jerichower Land, konzentrierte sich ein Teil des staatstragenden preußischen Adels. Die preußische Provinz Sachsen war also eine der Hochburgen des Konservatismus in Preußen.
Von den in Aussicht stehenden Ämtern in der Provinz Sachsen hat Bismarck zunächst nur das aus der Sicht staatlicher Hierarchie relativ bescheidene, aber dennoch für die Region höchst bedeutsame Amt des Deichhauptmanns erhalten. Es war das erste öffentliche Amt, das Bismarck selbständig in seiner Karriere bekleidete. Er hat es im März 1846 übernommen. Auch seine Einsetzung in das Amt des Deichhauptmannes lief nicht ganz glatt, denn der bisherige Deichabschnitt von Hohenwarthe bis kurz vor Havelberg wurde geteilt, und Bismarck erhielt nur den nördlichen Teil.
Dem König zur Hilfe
Im Jahre 1846
(wird ergänzt)
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Quelle:
Mitteldeutsche Zeitung vom 24.07.1998
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