Im Kirchenbuch von Roßdorf gibt eine Anmerkung zu einem Sterbeeintrag aus dem Jahr 1710 Einblicke in den damaligen medizinischen Wissensstand. Da eine junge Mutter nach der Geburt nicht sogleich Milch hatte, wollte ihr die Hebamme schwarzen Kümmel verabreichen. Nur leider irrte sie.

Der Sterbeeintrag liest sich wie folgt:

„10. Aug – Groote geb. Kampe Ilsa – Frau v. Martin Gr[othe]. – 38 J. 3 Mon. 2 Woch. 6 Tg. alt.

Weil sie verto nach der Geburt nicht flugs Milch gehabt, hat ihre Hebamme, die alte Greueln, ihr schwarzen Kümmel eingeben wollen. Weil sie solchen aber nicht gekannt, gifftigen X Kümmel einen Fingerhut voll eingegeben darauf sie rasend nach einigen Stunden gestorben.
Der Schultze hat dem Ambt auf mein erinnern sofort denunciret worauf Apotheker und Balbierer um den X Kümmel befraget wurden. Der Balbier hat ihn nicht gekannt, aber der Apotheker u. seine Wirkung gesagt alß: er brenne heftig im Leibe, verwirre das Haupt, lähme und schwelle die Zunge und schläfere ein.
Alles hat eingetroffen. Am Montag hat der Balbier den Leichnam sollen besehen, hat aber wegen Ungestaltung u. Übelgeruch zum Sarg nicht nahen können. Als ich am Sonntag nach der Predigt wegfuhr, war die Vergiftete braun und blau und so aufgeschwollen, daß man die Berstung alle Augenblicke befürchtete.
Der liebe Gott vergebe der Hebamme und behüte künftig vor solchem Falle.“

Kümmel wurde schon zu Zeiten Hippokrates und bis ins 19. Jahrhundert als Medizin eingesetzt. Wikipedia schreibt dazu: „Nach von Haller hilft Kümmel der Verdauung, bei Unterleibsschmerz und Harnsteinen, Hecker verwendete ihn bei Hypochondrie, Hysterie, mangelnder Milchsekretion und Brustleiden,“

 

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