Das Heft 1/2026 der → Computergenealogie widmet sich anlässlich des bevorstehenden 250-jährigen Jubiläums der Vereinigten Staaten schwerpunktmäßig der Forschung nach Deutschamerikanern. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen nach Auswanderung, Quellen auf beiden Seiten des Atlantiks und den Möglichkeiten, Familienzusammenhänge über große Entfernungen hinweg nachzuvollziehen.
1. Auswanderung als reales Forschungsproblem
Auch in meiner eigenen Forschung begegnet mir das Thema ganz konkret: Im OFB Dühringshof finden sich zahlreiche → Auswanderer, darunter auch eigene Vorfahren, deren Spur sich zunächst nur schwer weiterverfolgen lässt. Die aktuelle Ausgabe der CG gibt umfangreiche Hilefstellung, um die Forschung nach ausgewanderten Verwandten zu beginnen oder zu vertiefen.
2. Quellen zur Einwanderung (Europa → USA)
Ein erster Ansatzpunkt bei der Suche nach Auswanderern sind die Passagierlisten. Die → Hamburger Passagierlisten, die unter anderem über Ancestry zugänglich sind, sind vielen Forschern bekannt und werden häufig als Einstieg genutzt. Daneben existieren jedoch weitere Datenbanken, die teilweise weniger im Fokus stehen, aber ebenfalls wertvolle Hinweise liefern können. Dazu gehören beispielsweise:
Solche Listen können den entscheidenden Hinweis liefern, wann und von wo aus eine Person die Reise angetreten hat. Zu beachten ist jedoch, dass viele Namen nach Gehör geschrieben wurden und manchmal die Einwanderer ihre Namen auch dem Englischen angepasst haben.
Eine wichtige Ergänzung bilden die amerikanischen Volkszählungen, die seit 1790 in regelmäßigen Abständen durchgeführt wurden. Während die frühen Zählungen meist nur knappe Informationen enthalten, werden die Angaben im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend detaillierter. Für die genealogische Forschung sind sie deshalb eine zentrale Quelle, um ausgewanderte Personen in den USA zu verorten und ihre Lebensumstände besser zu verstehen.
3. Quellen in den USA
Neben den klassischen Einwanderungsquellen bieten insbesondere amerikanische Zeitungen eine oft unterschätzte Möglichkeit zur Recherche. In regionalen Zeitungen lassen sich nicht selten ausführliche biografische Angaben finden, etwa in Form von Nachrufen oder Berichten über lokale Ereignisse. Besonders hervorzuheben sind dabei zwei online durchsuchbare Zeitungsarchive:
Wenn sich darüber keine weiteren Hinweise finden lassen, lohnt sich ein Blick auf die eigentlichen Archivbestände in den USA. Für deutsche Forscher zunächst ungewohnt ist dabei die Struktur der Zuständigkeiten: Genealogisch relevante Unterlagen können auf mehreren Ebenen überliefert sein, etwa auf Bundes- (Federal), Bundesstaats- (State), County- oder lokaler Ebene (Municipal).
Zu den wichtigsten Quellen zählen dabei:
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Personenstandsunterlagen
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Kirchenbücher
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Einbürgerungsakten
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Militärunterlagen
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Grundbuchakten
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Nachlassakten
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Gerichtsakten
Welche Unterlagen im Einzelfall vorhanden sind und wo sie aufbewahrt werden, hängt stark von Ort und Zeitraum ab. Die Recherche erfordert daher oft ein schrittweises Vorgehen über mehrere Ebenen hinweg – kann dann aber sehr detaillierte Einblicke in das Leben der ausgewanderten Personen liefern.
4. Lebende Verwandte finden
Neben der historischen Forschung stellt sich häufig auch die Frage, ob sich heute noch lebende Verwandte in den USA ermitteln lassen. Die Möglichkeiten sind dabei oft größer, als man zunächst vermutet.
Ein wichtiger Ansatzpunkt sind Todesanzeigen (Obituaries), die in amerikanischen Zeitungen häufig sehr ausführliche biografische Angaben sowie Hinweise auf Familienangehörige enthalten. Auch Friedhofsdatenbanken wie → Find a Grave bieten wertvolle Informationen. Anders als in Deutschland werden Friedhöfe in den USA in der Regel nicht aufgelassen, sodass Grabstätten oft über sehr lange Zeit erhalten bleiben und dokumentiert sind.
Auch Personenstandsunterlagen sind in den USA häufig zugänglicher als in Deutschland, da es keine einheitlichen Schutzfristen gibt und viele Register vergleichsweise früh öffentlich zugänglich sind. Eine wichtige Quelle ist zudem der Social Security Death Index (Sozialversicherungsindex), der für den Zeitraum von 1936 bis 2007 zahlreiche Einträge enthält und unter anderem über → Ancestry recherchiert werden kann.
Darüber hinaus existieren verschiedene Online-Dienste zur Personensuche sowie soziale Netzwerke, über die sich unter Umständen noch heute lebende Verwandte ermitteln lassen.
Nicht zuletzt kann auch die Kontaktaufnahme zu genealogischen oder historischen Vereinen vor Ort hilfreich sein, die häufig über lokale Kenntnisse und weitere Quellen verfügen.
Die Suche nach ausgewanderten Vorfahren und ihren Nachkommen führt die Familienforschung oft weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Die aktuelle Ausgabe der Computergenealogie zeigt sehr anschaulich, welche vielfältigen Möglichkeiten es heute gibt, diese Spuren weiterzuverfolgen – von klassischen Passagierlisten bis hin zu modernen Online-Datenbanken und Kontakten zu Forschern vor Ort.

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