Heute fand im Ratssaal ein Vortrag zur Geschichte der Stadtmauer statt. Referent war Herr Helge Jarecki vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.
Neben der ausführlichen Darstellung der Erneuerung von Teilen der südlichen und westlichen Stadtmauer wurde auch ein besonders interessanter Aspekt angesprochen: mögliche Hinweise auf eine deutlich ältere Siedlungsgeschichte im Bereich der heutigen Stadt. Im Vortrag fiel hierzu der Begriff „antiqua civitas“, also einer älteren Stadt oder Siedlung, die der späteren Stadtentwicklung vorausgegangen sein könnte.
Ausgangspunkt dieser Überlegungen sind Holzkohlereste, die bei Ausgrabungen im Bereich der Stadtmauer gefunden wurden. Eine Untersuchung mittels C14-Methode ergab für vier Proben übereinstimmend eine Datierung in die Zeit vor 1200 – also deutlich vor dem archäologisch nachgewiesenen Bau der Stadtmauer in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
In den überlieferten Chroniken wird zwar ebenfalls eine frühe Ansiedlung erwähnt, diese wird jedoch meist an anderer Stelle verortet. Eine genauere Auswertung zeigt jedoch, dass zumindest eine Quelle (Pfeffer, 1821) auch eine Lage im Bereich der späteren Stadtmauer nicht ausschließt. Damit erscheint es zumindest denkbar, dass es bereits vor der bekannten Stadtentwicklung eine befestigte Anlage gegeben haben könnte.
Herr Jarecki selbst mahnte jedoch zur Zurückhaltung: Bei aller Begeisterung dürfe man nicht außer Acht lassen, dass es für die unerwartet frühe Datierung auch eine andere Erklärung geben könnte, etwa die Verwendung bereits älteren, verbrannten Holzes als Baumaterial.
Der Vortrag hat einmal mehr gezeigt, wie viel es auch heute noch zur Geschichte unserer Stadt zu entdecken und zu erforschen gibt.
Quelle Beitragsbild: Folie aus dem Vortrag, mit freundlicher Genehmigung des Referenten.

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