Wöchentliche Direktverbindung Berlin-Königsberg

Die Zukunft begann mit vergangenem Prunk. Mit zwölf plüschigen Schlafwagen aus dem alten DDR-Regierungszug rollte Samstag früh der Sonderzug im Hauptbahnhof von Königsberg (Kaliningrad) ein. Erstmals seit mehr als 45 Jahren war damit wieder ein Zug auf der Route des alten „Bernstein-Expreß“ aus Berlin in die einstige ostpreußische Metropole gefahren.
Um die jetzt wöchentliche Direktverbindung zu ermöglichen, mußte eine 2,3 Kilometer lange Lücke im Gleis geschlossen werden. Die Sowjets hatten nach dem Krieg im Königsberger Hauptbahnhof das Stück im Normalspur-Gleis herausgerissen, um jeglichen West-Verkehr zu unterbinden. Die Beseitigung der kleinen Lücke ist ein großer Schritt für Königsberg. Nach fast 40jähriger Abgeschiedenheit rückt Königsberg ein Stück nach Westen.
Als 1991 die Quarantäne aufgehoben wurde, kamen als erste die „Nostalgie-Touristen“. Auf rund 60 Prozent schätzt der auf Eisenbahntouren in den Osten spezialisierte Helmut Mochel ihren Anteil. Experten erwarten noch mehr Reisende, wenn die Touristen die landschaftliche Schönheit des einstigen Ostpreußens entdecken. Das heutige Königsberg indes enttäuscht fast jeden. Von der einst weitgerühmten Schönheit der Stadt ist nichts mehr geblieben. Bei britischen Bombenangriffen wurde 1944 das historische Zentrum zu 98 Prozent in Schutt und Asche gelegt. Ein per Zufall verschonter Straßenzug, das Denkmal des großen Philosophen Immanuel Kant – einige der wenigen Zeugnisse der großen Vergangenheit.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 24.06.1993

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Weiterführende Quelle: Reisemöglichkeiten Berlin – Kaliningrad

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