Am ersten Märzwochenende fand bundesweit der Tag der Archive statt. Unter dem diesjährigen Motto „Alte Heimat – neue Heimat“ öffneten zahlreiche Archive ihre Türen und gaben Einblicke in ihre Arbeit. Auch das → Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv Halle beteiligte sich mit Führungen, Präsentationen und Beratungsangeboten.

Vor Ort konnten Besucher nicht nur einen Rundgang durch Archiv- und Dokumentationsbereiche unternehmen, sondern auch mehr über die Nutzung der Bestände und die Arbeit der Archivare erfahren.

Angebote vor Ort

Laut Programm standen mehrere Angebote zur Auswahl:

  • Rundgänge durch Archiv, Kartei und Informations- und Dokumentationszentrum

  • Ausstellungen zur Geschichte der Stasi-Unterlagen

  • Präsentation zur Rekonstruktion zerrissener Stasi-Unterlagen

  • Beratungen zur Antragstellung auf Einsicht in persönliche Akten

  • Gelände­führungen über das Areal der ehemaligen Bezirksverwaltung der Staatssicherheit

Solche Veranstaltungen bieten eine seltene Gelegenheit, Orte zu betreten, die im normalen Archivbetrieb meist nur Forschern zugänglich sind.

Rekonstruktion zerrissener Stasi-Unterlagen

Ein besonders ungewöhnliches Kapitel der Archivarbeit betrifft die Rekonstruktion zerrissener Stasi-Unterlagen. In den letzten Monaten der DDR versuchten Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit zahlreiche Dokumente zu vernichten, indem sie sie von Hand zerrissen oder schredderten und in Säcke füllten. Nach der Friedlichen Revolution konnten diese Unterlagen gesichert werden – insgesamt handelt es sich um rund 15.500 Säcke mit mehreren hundert Millionen Papierschnipseln.

Um diese Dokumente wieder lesbar zu machen, wurden zunächst viele Seiten mühsam von Hand zusammengesetzt. Später entstand die Idee, diesen Prozess technisch zu unterstützen. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut wurde ein Verfahren entwickelt, bei dem die Schnipsel eingescannt und anschließend mithilfe spezieller Software – dem sogenannten → ePuzzler – virtuell zusammengesetzt werden sollten.

Die Ergebnisse waren durchaus beeindruckend: Aus einem einzigen Sack mit Schnipseln konnten auf diese Weise teilweise mehrere tausend rekonstruierte Seiten entstehen. Diese wurden anschließend digital erfasst, verschlagwortet und den Archiven zur weiteren Auswertung zur Verfügung gestellt. Dort versuchten Archivmitarbeiter, aus den rekonstruierten Seiten wieder vollständige Akten zusammenzustellen.

Allerdings erwies sich das Verfahren als sehr aufwendig und kostspielig. Das Projekt wurde schließlich 2016 eingestellt, auch weil die automatisierte Rekonstruktion weiterhin umfangreiche manuelle Nacharbeit erforderte. Die Aufarbeitung der zerrissenen Unterlagen geht jedoch bis heute weiter – weiterhin überwiegend in Handarbeit.

Vielleicht werden zukünftige technische Entwicklungen, etwa im Bereich der Bildverarbeitung oder künstlichen Intelligenz, eines Tages neue Möglichkeiten eröffnen, die noch immer vorhandenen Schnipsel schneller zusammenzusetzen.

Der Tag der Archive zeigt alle zwei Jahre, wie vielfältig die Aufgaben moderner Archive sind. Neben der klassischen Aufbewahrung historischer Unterlagen spielen heute auch digitale Technologien und neue Formen der Dokumentation eine wichtige Rolle. Veranstaltungen wie diese bieten eine gute Gelegenheit, Archive nicht nur als Forschungsorte, sondern auch als öffentliche Einrichtungen der historischen Erinnerung kennenzulernen.

Auf dem Rückweg bot sich noch ein kurzer Abstecher zum Flugplatz Halle/Oppin an. Der kleine Verkehrslandeplatz nordöstlich von Halle ist unter anderem → Standort der DRF Luftrettung. Regelmäßig starten von hier aus Rettungshubschrauber zu Einsätzen in Sachsen-Anhalt und den angrenzenden Regionen.

Hubschrauber der DRF Luftrettung

Für einen kurzen Moment bot sich die Gelegenheit, einen der Hubschrauber aus der Nähe zu sehen – ein kleiner, aber interessanter Abschluss dieses Tages voller Eindrücke.

Quelle Beitragsbild: Bettenburg, CC BY-SA 2.0 DE <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en>, via Wikimedia Commons

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