Das Heft 2/2026 der → Computergenealogie stellt mit depeve eine neue Datenbank vor, die die Suche nach Standesamtsunterlagen erheblich erleichtern könnte.

Wer bereits nach Vorfahren in Personenstandsregistern gesucht hat, kennt das Problem: Selbst wenn die gesuchten Urkunden digital vorliegen, sind sie häufig auf verschiedene Archive, Standesämter oder Online-Portale verteilt. Oft beginnt die eigentliche Forschung bereits mit der Frage, welche Einrichtung überhaupt für die gesuchten Unterlagen zuständig ist.

Für Kirchenbücher haben Familienforscher mit Archion oder Matricula seit Jahren zentrale Anlaufstellen. Für Personenstandsregister fehlte ein vergleichbares Angebot bislang weitgehend. Entsprechend treffend formulieren die Autoren des Beitrags:

„Was eigentlich der wichtigste nächste Schritt für die deutsche Computergenealogie wäre, ist etwas wie Matricula oder Archion, aber für Personenstandsregister: eine Seite, auf der die Flicken zusammenkommen.“

Genau diese Lücke möchte depeve schließen. Die derzeit verfügbare Beta-Version enthält zwar erst einen kleinen Teil der künftig geplanten Daten, bietet aber bereits einen guten Eindruck von den Möglichkeiten des Projekts. Ziel ist es, Erfahrungen und Rückmeldungen der Nutzer zu sammeln, um die Plattform weiterzuentwickeln.

Besonders interessant ist dabei die technische Umsetzung. Die digitalisierten Urkunden werden nicht nur angezeigt, sondern mithilfe künstlicher Intelligenz transkribiert. Fehlerhafte Erkennungen können von den Nutzern korrigiert werden. Auf diese Weise verbessert sich die Datenqualität kontinuierlich.

Noch spannender erscheint jedoch die Art der Datendarstellung. Aus den erfassten Urkunden werden nicht nur einzelne Namen übernommen. Vielmehr werden sämtliche beteiligten Personen erfasst und miteinander verknüpft. Dadurch entsteht aus einer einzelnen Urkunde mehr als ein einfacher Registereintrag: Familiäre Beziehungen werden sichtbar und in einer übersichtlichen Struktur dargestellt.

Auch der Datenschutz wird berücksichtigt. Personenstandsdaten werden entsprechend der geltenden Schutzfristen von 110 Jahren für Geburten, 80 Jahren für Eheschließungen und 30 Jahren für Sterbefälle behandelt.

Die Autoren laden ausdrücklich zur Mitarbeit ein. Jede erfasste Urkunde liefert ein weiteres Puzzleteil und hilft dabei, aus vielen einzelnen Quellen ein umfassenderes Bild der Personenstandsdaten zu schaffen.

Eigene Erfahrungen

Ich habe die Beta-Version von depeve bereits ausprobiert und eigene Urkunden hochgeladen. Besonders beeindruckt hat mich die automatische Verknüpfung der in einer Urkunde genannten Personen. Aus einem einzelnen Sterbeeintrag entsteht innerhalb kurzer Zeit eine strukturierte Darstellung mit Personen, Beziehungen und zusätzlichen Informationen.

Ein Beispiel hierfür ist die von mir hochgeladene Sterbeurkunde von Alfred Dönitz. Die KI erkannte nicht nur die wesentlichen Personendaten, sondern ordnete auch die Ehefrau korrekt zu und stellte die Beziehung grafisch dar. Wer möchte, kann die Angaben zusätzlich in der Familiendatenbank der Hortichstiftung vergleichen.


 

Natürlich befindet sich das Projekt noch in einer frühen Entwicklungsphase. Dennoch zeigt die Beta-Version bereits, welches Potenzial in einem zentralen Portal für Personenstandsregister steckt. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich depeve in den kommenden Jahren entwickeln wird.