Gastbeitrag von Peter Wieske

Infolge des allgemeinen Aufschwungs und der Verbesserung der Verkehrswege nahm nach 1870 auch in Aken die Industrie einen unerwarteten Aufschwung.
Man fand bei Trebbichau Braunkohle und bereits am 2.6.1875 wurde der Schacht der Grube Georg Heinrich abgeteuft.
Bereits im Jahr 1854 hatte sich der Holzhändler Georg Placke mit 20 Kuxen an der Braunkohlengrube Marie bei Ostrau beteiligt. 1876 erwarb er das Bergwerkseigentum bei Micheln und errichtete dort die Grube Friedrich Georg.
Gleichzeitig hatte auch der Köthener Rechtsanwalt Behr seit 1876 die Braunkolengrube  Wilhelm dort eröffnet, die 1891 an die Solvaywerke in Bernburg überging.

Georg Placke sen. und Georg Placke jun. haben von 1876 bis 1898 die Gruben Friedrich Georg und Georg Heinrich betrieben. Am 8.12.1898 wurden auch diese an die Solvaywerke verkauft.
Als Folge von Wassereinbrüchen sackten Felder ein und bildeten an der Oberfläche größere Teiche. Noch heute gibt es bei Micheln mehrere Teiche (z.B. Akazienteich).

Das Testament des Holzhändlers Georg Placke von 1885 verfügt über die Gewerkschaft Georg Heinrich wie folgt:
Artikel IV:
Die ausschließliche Verwaltung des Bergwerks der Gewerkschaft Georg Heinrich, soweit ich als Inhaber von 75 Kuxen darüber zu verfügen habe, übertrage ich nach meinem Ableben auf die Dauer seines Lebens meinem Sohn Georg Placke mit der für meine Töchter bindenden Vollmacht, alle aus der Inhaberschaft der Kuxen ihnen als Mitbeteiligte zustehenden Rechte und als dem Repräsentanten einer Bergschaft  gebührenden Befugnis allein und ohne ihre Zustimmung oder ihrer Berufung und Beschlußnahme in Gewerkversammlungen zu bedürfen, so dass ihm auf die Dauer seines Lebens bezüglich dieser Bergwerke die volle Machtvollkommenheit eines Alleingewerkers zusteht.
Er darf mithin, ohne dass seinen Mitgewerkern irgend ein Widerspruchs- oder Klagerecht zukäme, die Verwaltung und den Betrieb selbständig anordnen und führen, Beamte einstellen und entlassen, Erweiterungen und Einschränkungen der Bergwerke anordnen und ausführen, Beträge ausschreiben und einziehen, und die Bergwerke belasten oder consolidieren, auch den Betrieb nach Ermessen zeitweise oder ganz einstellen.
Nur die Veräusserung der Substanz des Bergwerks bedarf der Zustimmung seiner Mitgewerker und das Recht zur Verfügung über ihre Kuxen steht ihm überhaupt nicht zu.
Ihren Anteil an der Ausbeute hat er ihnen alljährlich unter Vorlegung einer Verwaltungsmachung auszuzahlen, soweit die Ausbeute nach seinem Ermessen nicht zur Bildung eines Reserve „fonds“ oder zur Ausführung von Erweiterungen, sonstigen baulichen Veränderungen, zum Grunderwerb und zu sonstigen Anschaffungen erforderlich und deshalb in der Grubenkasse zurückzuhalten ist. Die Verfügung über ihre Kuxen steht meinen Töchtern während der Dauer der Verwaltung nur mit deren Zustimmung zu und ist ohne solche ungültig.
Sollte die Bergbehörde unbeachtet meiner vorstehenden Anordnungen die Bestallung eines besonderen Repräsentanten für die Gewerkschaft und für gewisse Maßnahmen die Ausschreibung von Gewerksversammlungen und Beschlüsse  derselben fordern, so ernenne ich hiermit ein für alle Mal meinen Sohn Georg zu alleinigen – und ausschließlichen stimmberechtigten Vertreter und Bevollmächtigten seiner Geschwister hinsichtlich der auf sie vererbten 72 Kuxen.

Schon zu Lebzeiten des Holzhändlers verwaltete sein Sohn, → Major Georg Placke, das Bergwerk.
Dieser hatte als Generalbevollmächtigter bei Riebeck Erfahrungen in der Führung von Industrie-Unternehmen gesammelt; allerdings war er seinem Vater manchmal zu „modern“. Dennoch übertrug der Vater ihm 25 Kuxen von den insgesamt 100 Kuxen des „Betriebskapitals“.
Nach dem Tode des Holzhändlers Georg Placke, 1885, verfügte der Sohn über 28 Kuxen und seine Schwestern über die restlichen 72.

Ab 1896 war Georg Placke Mitglied des Reichstages und wurde von der Opposition zunehmend wegen der „Verhältnisse in seiner Grube“ angegriffen.

 

 

So nutzte er das Interesse der Solvaywerke, die ja schon bei Trebbichau eine Grube betrieben, und verkaufte 1898 die Braunkohlengruben der Familie Placke.
Aus der Abschluss-Bilanz von 1899 (s.Anlage – nicht im Beitrag enthalten) ist der erstaunliche Wert der Gewerkschaft, aber auch die Vorsorgeregelung für den Obersteiger zu erkennen.

Solvay hat die Braunkohle noch bis nach 1945 in Micheln/Trebbichau gefördert. Ich erinnere mich gut des endlosen Förderbandes über den Teichen und Feldern.

Pläne und Kopierbücher der Buchführung aus diesen Jahren sind noch komplett bis 1984 in unserem Elternhaus vorhanden gewesen. Wegen Aufgabe des Hauses wurden diese am 21.9.1984 an das Staatsarchiv in Magdeburg (Anm.: heute Landesarchiv Sachsen-Anhalt) übergeben.

Hinweis zu Begriffen:
Gewerkschaften: damals wurden Grubenunternehmen als bergrechtliche Gewerkschaften bezeichnet. Heute ist das eine AG.
Kuxen: sind Anteile an bergrechtlichen Unternehmen, sie lauten auf den Namen und verbriefen das Recht auf Gewinn.

Der Beitrag wurde im Januar 2017 für das Heimatmuseum Aken erstellt und wird hier erstmals veröffentlicht.

Quelle Beitragsbild: Magro83, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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